Warum klassische Wissenssicherung scheitert
In den meisten Mittelstandsbetrieben besteht Wissenssicherung aus drei Bausteinen: einem Übergabegespräch zwischen ausscheidender und nachrückender Kraft, einer mehrwöchigen Schatten-Einarbeitung an der Linie und — im besten Fall — einer Word-Datei mit Stichworten zur Tätigkeit. Jeder dieser Bausteine löst ein Stück des Problems, keiner trifft den Kern.
Übergabegespräche fokussieren auf Aufgabenlisten, Ansprechpartner und Sondervorgänge — sie greifen das explizite Wissen ab, nicht das implizite Können. Schatten-Einarbeitung zeigt zwar das tatsächliche Tun, ist aber nicht beliebig wiederholbar; was die Nachfolgerin in der zweiten Woche übersehen hat, ist nach der Verabschiedung nicht mehr verfügbar. Und Word-Dokumentation scheitert systematisch an genau den Bewegungen, die sich nicht in Worte fassen lassen: das Drehmoment, das die erfahrene Kollegin „fühlt“; die Reihenfolge bei einer Sondervariante; die Stelle, an der das Werkzeug regelmäßig klemmt. Wer dieses Wissen bewahren will, braucht ein Medium, das das Tun selbst zeigt — nicht eine Beschreibung des Tuns.