Die eigentliche Krise: das Wissen geht in Rente
Bis etwa 2036 erreichen 12,9 Millionen Erwerbstätige in Deutschland das Renteneintrittsalter (Destatis, Pressemitteilung 8/2022); bereits 2035 wird laut Destatis-Vorausberechnung (12/2025) rund jede vierte Person 67 Jahre oder älter sein. In der Produktion bedeutet diese demografische Verschiebung den Abgang ganzer Schicht-Generationen, die ihre Tätigkeit über Jahrzehnte verfeinert haben.
Rund 70 % des operativen Wissens in Industriebetrieben gilt — je nach Quelle abweichend — als implizit: nicht in Arbeitsanweisungen, nicht in Stücklisten, nicht in Schulungsunterlagen. Es lebt im Drehmoment-Gefühl, in der Reihenfolge bei Sondervarianten, in den kleinen Korrekturen, die niemand mehr bewusst beschreibt, weil sie selbstverständlich erscheinen. Klassische Übergabegespräche und Schatten-Einarbeitung scheitern an genau diesem Wissen — weil es erst sichtbar wird, wenn es ausgeübt, nicht wenn es erklärt wird.